Boeing “Dreamliner”: Auslieferung ein halbes Jahr später

Auslieferung ein halbes Jahr später

Jungfernflug zum zweiten Mal verschoben.

Der US-Flugzeugbauer Boeing hat die Auslieferung seines neuen Langstreckenjets 787 “Dreamliner” um ein halbes Jahr auf Dezember 2008 verschoben. In einer am Mittwoch veröffentlichten Erklärung teilte das Unternehmen außerdem mit, dass der Jungfernflug der neuen Maschine nun erst Ende März kommenden Jahres stattfinden solle.
Als Grund für die Verzögerung nannte Boeing anhaltende technische Probleme bei der Montage. Bereits im vergangenen Monat hatte der Konzern den ursprünglich für Ende September geplanten ersten Testflug abgesagt. Im Dauerwettstreit mit dem Konkurrenten Airbus bedeutet die Verzögerung für Boeing einen klaren Rückschlag.

Probleme mit Software und Zulieferern
In den letzten Wochen hatten sich schon die Hinweise gemehrt, dass Boeing mit seinem ehrgeizigen Zeitplan zunehmend in Verzug geriet. US-Regionalzeitungen berichteten mehrfach über Probleme bei der endgültigen Fertigstellung der Flugsystemsoftware und Engpässen bei der Versorgung durch die Zulieferer.

“Sind enttäuscht”
In der schriftlichen Erklärung bedauerte Boeing-Chef Jim McNerney die Verzögerungen. “Wir sind enttäuscht über die Änderungen im Zeitplan”, hieß es darin. “Trotz der Herausforderungen, denen wir gegenüberstehen, vertrauen wir weiter in die 787 und ihre fundamentalen Innovationen.”

Zivilflugchef Scott Carson sagte, angesichts anhaltender Technikprobleme benötigten die Ingenieure mehr Zeit: “Obwohl wir in den vergangenen Wochen einige Fortschritte gemacht haben, reicht das Tempo dieser Fortschritte nicht aus, um unsere ursprünglichen Pläne für den Jungfernflug und die erste Auslieferung aufrechtzuerhalten.”

Jungfernflug schon einmal verschoben
Bereits die Verschiebung des Jungfernflugs Anfang September hatte bei Kunden und Aktionären die Sorge ausgelöst, Boeing könnte ähnlich wie der europäische Rivale Airbus bei seinen Maschinen A380 und A350 erst mit Verzögerung liefern.

Damals hatte Boeing Probleme mit der Bordsoftware und mit dem Einbau von Komponenten auswärtiger Hersteller genannt. Das Unternehmen zeigte sich am Mittwoch zuversichtlich, dass die Verzögerungen keine Auswirkungen auf Gewinnprognosen für 2007 und 2008 haben.

Mit Spannung erwartet
Die “Dreamliner”-Flugzeuge sind die erste Boeing-Neuentwicklung seit 13 Jahren und werden von Fachwelt und Luftfahrtfans mit Spannung erwartet. Anfang Juli hatte der Hersteller die als revolutionär gehandelte Maschine in einer großen Werbeveranstaltung der Weltöffentlichkeit vorgestellt.

Insgesamt liegen nach Firmenangaben etwa 700 Bestellungen für den “Dreamliner” vor. Sie haben laut Katalogpreis einen Wert von gut 110 Milliarden Dollar. Erst vor zwei Wochen hatte British Airways 24 Maschinen bestellt und sich die Optionen für 18 weitere gesichert.

Weniger Spritverbrauch
Boeing verspricht Fluggesellschaften einen um 20 Prozent verringerten Spritverbrauch gegenüber vergleichbaren Maschinen, etwa durch den Einsatz leichterer Verbundstoffe anstelle des traditionell verwendeten Aluminiums. Die ersten “Dreamliner” sollten ursprünglich im kommenden Mai an die japanische All Nippon Airways (ANA) ausgeliefert werden.

Schadenfreude bei Airbus?
Grund zur Schadenfreude besteht bei Airbus nicht. Zunächst sind die Europäer selbst leidgeprüft. Die Probleme mit dem Riesen-Airbus A380 hatten die Herstellerfirma wie auch den Mutterkonzern EADS in eine tiefe Krise gestürzt. Zudem ist der “Dreamliner” dem A350 trotz der nun aufgetauchten Schwierigkeiten nach wie vor weit voraus. Der A350XWB soll erst 2013 kommen.

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